EuGH-Urteil eröffnet Wege für Rückerstattungsklagen bei früher verbotenen Online-Glücksspielen
Geschrieben von David Keller · 29.6.2026

EuGH-Urteil eröffnet Wege für Rückerstattungsklagen bei früher verbotenen Online-Glücksspielen

Der Europäische Gerichtshof hat in einem wegweisenden Verfahren entschieden, dass Spieler in Deutschland zivilrechtliche Ansprüche auf Erstattung verlorener Einsätze gegen nicht lizenzierte Anbieter geltend machen können, obwohl nationale Regelungen später angepasst wurden. Das Urteil bezieht sich auf Fälle aus der Zeit vor dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 und stellt klar, dass Unionsrecht nationalen Vorschriften zur Kanalisierung von Glücksspielen in überwachte Systeme nicht entgegensteht, während gleichzeitig Rückerstattungsansprüche nach innerstaatlichem Recht möglich bleiben.
Hintergründe des Verfahrens vor dem EuGH
Die Entscheidung entstand aus mehreren Vorlagefragen deutscher Gerichte, die mit Klagen von Spielern konfrontiert waren, die bei Anbietern ohne deutsche Erlaubnis Einsätze getätigt hatten. Unter dem alten Rahmenwerk galt ein weitgehendes Verbot für Online-Glücksspiele, das auf den Schutz der Verbraucher und die Vermeidung krimineller Strukturen abzielte. Experten beobachten, dass solche Verbote in verschiedenen Mitgliedstaaten bestanden, doch die EU-Kommission und nationale Behörden haben seit Jahren an einer Harmonisierung gearbeitet, die Spielerrechte mit Marktregulierung verbindet.
Im April 2026 veröffentlichte der Gerichtshof die Pressemitteilung Nr. 53/26 zum Urteil in der Rechtssache C-440/23, in der er die Zulässigkeit von Erstattungsklagen bestätigte. Diese Pressemitteilung erläutert, dass EU-Recht weder die deutschen Restitutionsregeln noch Maßnahmen zur Steuerung des Glücksspielmarkts blockiert. Beobachter betonen, dass das Urteil keine neuen Verbote schafft, sondern bestehende nationale Instrumente stärkt und für anhaltende Verfahren in deutschen Instanzen relevant bleibt.
Kernpunkte der Entscheidung und ihre Auswirkungen
Richter des EuGH hoben hervor, dass Mitgliedstaaten das Recht behalten, Glücksspielaktivitäten in lizenzierte Kanäle zu lenken, ohne dass dies mit der Dienstleistungsfreiheit kollidiert. Gleichzeitig dürfen Verbraucher nach nationalem Zivilrecht Einsätze zurückfordern, wenn Anbieter gegen die damaligen Verbote verstießen. Daten aus laufenden Verfahren zeigen, dass zahlreiche Klagen gegen Betreiber von Online-Casinos und Sportwetten anhängig sind, die vor 2021 ohne Erlaubnis agierten.
Und obwohl der neue Staatsvertrag seit 2021 Online-Angebote unter strengen Auflagen erlaubt, ändert dies nichts an der Rechtslage für frühere Verluste. Forscher haben festgestellt, dass solche Rückforderungen oft auf Bereicherungs- oder Schadensersatzansprüchen beruhen, die in deutschen Zivilgerichten geprüft werden. Das Urteil stellt sicher, dass EU-Recht diese Verfahren nicht behindert, sondern sie mit dem Ziel vereinbar macht, illegale Angebote zu unterbinden und gleichzeitig faire Bedingungen für lizenzierte Betreiber zu schaffen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und nationale Umsetzung
Deutsche Gerichte prüfen nun verstärkt, ob Spieler Ansprüche auf Erstattung geltend machen können, wenn Anbieter gegen das frühere Verbot verstießen. Die Entscheidung bestätigt, dass solche Klagen mit EU-Grundfreiheiten vereinbar sind, solange sie auf innerstaatlichem Recht basieren. Statistische Erhebungen der gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder deuten darauf hin, dass die Zahl der Verfahren seit 2024 stetig steigt und im Juni 2026 mehrere hundert Fälle bundesweit anhängig waren.
Betreiber ohne Lizenz stehen vor Herausforderungen, da Gerichte zunehmend auf die EuGH-Vorgaben verweisen. Doch hier zeigt sich, dass nationale Behörden weiterhin auf eine enge Überwachung setzen, während Spieler ihre Rechte durchsetzen können. Experten haben beobachtet, dass dieses Zusammenspiel aus EU-Recht und deutschem Zivilrecht zu einer klareren Rechtslage führt, ohne den Markt vollständig zu blockieren.
Ausblick auf laufende Verfahren im Juni 2026
Im Juni 2026 bearbeiten deutsche Oberlandesgerichte weiterhin Klagen, die direkt auf das EuGH-Urteil Bezug nehmen. Richter prüfen Einzelfälle, in denen Spieler Summen aus illegalen Online-Angeboten zurückfordern. Die Entscheidung schafft keine automatischen Erstattungen, sondern ermöglicht es Gerichten, solche Ansprüche unter Berücksichtigung der damaligen Verbotslage zu bewerten.
Und während lizenzierte Anbieter ihre Position im regulierten Markt ausbauen, bleiben offene Fragen zu Verjährungsfristen und Beweislast. Behörden und Verbände arbeiten an Leitfäden, die Betroffenen Orientierung bieten sollen, ohne dabei neue Regulierungen zu schaffen. Beobachter notieren, dass das Urteil vor allem für die Abwicklung historischer Fälle von Bedeutung ist und den Fokus auf den Schutz vor unzulässigen Angeboten legt.
Fazit
Das EuGH-Urteil aus April 2026 hat die rechtlichen Möglichkeiten für Spieler in Deutschland erweitert, ohne dabei bestehende EU-Vorgaben zu verändern. Nationale Regeln zur Kanalisierung von Glücksspielen bleiben intakt, während zivilrechtliche Rückforderungen für die Zeit vor 2021 weiterhin zulässig sind. Verfahren in deutschen Gerichten werden durch diese Klarstellung beeinflusst, und Akteure im Markt passen ihre Strategien entsprechend an.